Zapchen Somatics

Well-Being ist nicht Wellness. In Stauf geht es nicht um Therapie, sondern um Einkehr,  um äußere, aber auch um innere Einkehr. Die Basis der Körperbewusstheitsarbeit von Julie Henderson (Zapchen) ist, sich in Richtung von Well-Being zu bewegen BEVOR wir versuchen , ein Problem zu lösen. Denn in einem Zustand von Wohl-Sein sind wir schlauer und widerstandsfähiger, als wenn wir teilweise in Angst und Zorn eingefroren sind.

 

Embodying Wellbeing – sich Wohlfühlen trotz allem

So heißt das eines der Übungsbücher von Julie Henderson. Das Herzstück von Zapchen ist, Wohlgefühl im täglichen Leben zu praktizieren, wobei sich „Well-Being“ auf einen Zustand von Entspannung und Leichtigkeit im Sein bezieht. Es geht viel weiter als „Wohlfühlen“ im üblichen Sprachgebrauch. „Wohlsein" ist ein Zustand der Freude, die nicht mehr zwischen Geist und Körper trennt und sich  zum "überfließenden" Freude hin entwickelt. Sie überträgt sich so auf unsere Umgebung und verändert auch diese zum "Wohlsein" hin.  Hierfür braucht es Übung und mehr Bewusstheit, die schließlich auch den Alltag nachhaltig verändert (was z.B. ein "Wellness" Aufenthalt nicht bewirkt).

„Zapchen“ ist ein tibetisches Wort hat viele Bedeutungen von „ganz und gar ungezogen“  bis hin zum unvorhersehbaren Verhalten erleuchteter Wesen. Es hat zahlreiche Quellen: körperorientierte Psychotherapie, Eickson’sche Hypnotherapie, funktionelle Medizin, praktische Körperarbeit, Theaterarbeit, Geistestraining, Beziehungsarbeit und Vajrayana-Tantra: altes tibetisches Wissen um das Einssein von Geist und Körper.

 

Die „Basics“ des Zapchen:

Die Fähigkeit von Körpern, sich spontan in Richtung Wohlsein zu bewegen, hat man uns aberzogen. Julie Henderson schaut sie Kindern und Tieren wieder ab: Gähnen, strecken, schütteln, springen, prusten, lachen, laut sein. Es ist in der Tat so einfach! Wir sind pulsierende Geschöpfe. Jedes Unwohlsein führt zu einer Reduzierung der Pulsation, sei es, daß wir uns in bestimmten Teilen des Körpers zusammenziehen, sei es, daß wir uns ausgelaugt und kraftlos fühlen und den Tonus verlieren. Wenn uns etwas belastet, können diese Last buchstäblich aus unserem Körper wieder rausschütteln, die Anspannung weggähnen oder prusten wie ein Pferd. Wir können auch in die Höhe springen und mit einem lauten „HA!“ wieder am Boden aufkommen. Das sind sehr effektive, schnelle Möglichkeiten den eigenen Zustand grundlegend zu verändern. Weil es so einfach ist, tendieren wir dazu, die Wirkung zu unterschätzen.

 

Wahlmöglichkeiten für Gefühle

Wie wir durch Verändern der Körperhaltung Einfluß auf unser Psyche nehmen können erforscht Julie Henderson schon seit Jahrzehnten. Sie hat mit Paul Ekman in den Siebzigern viel experimentiert, auch wie wir über die Körperbewußtheit in den Reaktionen auf unsere Emotionen mehr Wahlmöglichkeiten entwickeln können.

Wenn wir eine Wahlmöglichkeit für unser Gefühle entwickeln wollen, müssen wir uns klar sein, daß Gefühle bestimmte Informationen an uns vermitteln: Angst trägt in Information „Gefahr“, Ärger die Info „etwas läuft anders, als ich es für richtig halte“. Ist die Information bei uns angekommen, ist es gut frei entscheiden zu können, ob wir das Gefühl noch möchten. Wenn ich bei einem Schreck statt mich im Brustraum zusammenzuziehen meine Energie ins Becken bringe, kommt eine andere neurochemische Information im Gehirn an. Die Angst ist weniger oder weg und ich habe mehr Überblick, was in der Gefahr zu tun ist. Wenn ich bei Wut Bewegungen mache, die die Energie in die Füße bringen, wandle ich sie um in reine Kraft für mich etc.

Spezielle Zapchen-Methode: Summen

Die gefühlte Qualität des Tones beim Summen, die feine Vibration wird in einer Grundübung achtsam mit dem Gedanken von freundlicher Begrüßung durch den Körper begleitet. Diese feine, fast subtile, doch mit etwas Übung noch spürbare Bewegung ist zugleich Gewebsmassage und Einladung, das natürliche Pulsieren wiederherzustellen. Der Körper nimmt es dankbar auf. Alle Gewebe, alle Organ schwingen in einem eigenen Rhythmus der Pulsation und damit des Wohlbefindens. Alles in unserem Körper ist aufeinander abgestimmt, alles steht miteinander und der Umwelt in ständiger Kommunikation. Im Summen wird diese Tatsache erfahrbar. Durch Summen können Körperzonen, Gewebe, Organe, Funktionssysteme zum gesünderen Funktionieren angeregt oder, wie es im Zapchen gesagt wird, an gesundes Funktionieren erinnert werden. Auch die Verbindung zwischen den Organen kann so gestärkt, bzw. die Kooperation von Organsystemen unterstützt werden. Beispiele dafür sind Summen in die Hypothalamus-Hypophyse–Nebennieren-Achse, um die Stressregulation zu modifizieren, die Integration der Vagusäste anzuregen, die Funktion der Nebenniere oder anderer Organe zu unterstützen. Je stärker der Körper wahrgenommen wird, desto mehr Energie und Präsenz sammeln sich in ihm an. Das hilft, sich allmählich und fast unmerklich ganz und stärker präsent zu erleben.

Summend kann die Wahrnehmung gleichzeitiger und gegenseitiger Präsenz (energetische und bewusste Anwesenheit) der verschiedenen Körperteile oder Organe schrittweise erlernt werden. Bereiche wie beispielsweise Bereiche mit Schmerzen als Körpererinnerung, werden zunächst von Präsenz nur „umspült“. Diese Präsenz wird dann vorsichtig eingeladen in das durch alte Erfahrungen in der Zeit stecken gebliebene Gewebe. Je mehr Präsenz die Person allmählich entfaltet, desto kleiner wird der Schritt zur bewussten Wahrnehmung, dass Präsenz überall ist. So beginnt die Auflösung der Isolation. Es setzt auch den Anfang dafür, sich in guter Weise in Beziehungen zu bewegen. Achtsamkeit im Außen ist eine natürliche Folge.

Zapchen Methode der Energielenkung

Neben den direkten Regulationsmechanismen des Körpers regulieren wir unsere Befindlichkeit auch über Energiebewegungen. Abhängig davon, ob wir die Energie verdichten oder verdünnen, zusammenziehen oder ausdehnen und wo wir sie platzieren, verändern sich unser emotionales Erleben und unsere Wahrnehmungsfähigkeit. Die Begriffe der Energie, ihrer Verdichtung und Verdünnung, Ausdehnung und Kontraktion sind im Buch von Julie Henderson, Die Erweckung des Inneren Geliebten, erläutert. Energie bewegt sich ständig und passt sich den Situationen an, in denen wir gerade sind. Aufgrund unserer biographischen Erfahrungen entwickeln wir allerdings „Vorlieben“, die sich von der aktuellen realen Situation, abkoppeln und dann automatisch abspulen. Wer beispielsweise früher oft in beängstigenden Situationen war, entwickelt ein Muster des sich Zusammenziehens. Später wiederholt sich dies auch in ungefährlichen Situationen. Die Folgen sind Angst, Misstrauen und Angespanntheit auch in sozial freundlichen Situationen. In Folge der habituellen Einschränkung der Energiebewegungen kann es dann zur Einschränkung des Urteils- und Unterscheidungsvermögens kommen. Zapchen enthält eine ganze Reihe Übungen, die helfen, gewohnheitsmäßige Energiebewegungen wahrzunehmen, die sich innerhalb des Körpers, aber auch in zwischenmenschlichen Beziehungen manifestieren. Die Energielenkungsübungen helfen, bewusst und willentlich Präsenz in verlassene Körperregionen einzuladen und gewohnheitsmäßige Muster und Haltungen zu verändern. Mit Einsatz von Vorstellungskraft und Konzentration ist es leicht, die Energie anzusammeln und dann wahrzunehmen. Besonders wertvoll fanden wir die Möglichkeit, die eigene Grenze energetisch zu festigen, sich innerhalb dieses Raumes auszudehnen und es sich dort „gemütlich“ zu machen. Bestimmte energetische Übungen machen erfahrbar, dass gute Beziehungen, die berühren, aber nicht überwältigen, sich an dieser Grenze abspielen. Auch die erlernbare Fähigkeit, Energie bei Bedarf zu verdichten oder zu verdünnen, sie zu konzentrieren oder auszudehnen, unterstützt wirkungsvoll dabei, sich in zwischenmenschlichen Kontakten angemessener zu fühlen und zu verhalten. Die Energielenkungsübungen sind so konzipiert, dass schon während des Übens - oft das erste Mal - respektvolle, wohlwollende zwischenmenschliche Beziehungen körperlich erfahren werden können. Vor allem werden augenblickshaft wert- und urteilsfreie Begegnungen möglich, Begegnungen im Sein. Das ist eine Hoffnung spendende, ermutigende Erfahrung für Menschen, die sich überwiegend als bedeutungs- und wertlos empfinden. Wenn es gelingt, sich gleichzeitig und wechselseitig wahrzunehmen, wenn Präsenz Präsenz berührt, öffnet sich die Wahrnehmung für das innewohnende Wohlbefinden, für Freude und Humor, vor allem für mitfühlendes Interesse sowohl für sich selbst als auch den anderen und die Gemeinschaft.

Mühelos in den Zustand der Ruhe und Geborgenheit wechseln oder chronische Schmerzen „austrixen

Tony Richardson, bis Juli 2018 Professor an zwei Universitäten in Sidney, ist Arzt und Psychiater.  Als enger Freund und Kollege von Julie Henderson war er wesentlich beteiligt an der Entwicklung Zapchen. Von ihm fließen weitere Übungen ein, da er sich u.a. mit Gehirnforschung befasst. Er unterrichtet z.B. Übungen zur Behebung chronischer Schmerzen.  Er lehrt auch eine einfache Methode, über die Rückenbewussheit von den neuronalen Gehirnzellen in die Gliazellen zu wechseln, um so unmittelbar in schwierigen Situationen Abstand gewinnen zu können. Am 28.-30. Sept. gibt er in Eisenberg-Stauf ein Seminar, das noch gebucht werden kann. Weitere Infos bei Brigitta von Schilling brigittavonschilling@gmx.de.

 

Zapchen kann man vielerorts kennenlernen. Es gibt etwa 30 autorisierte Zapchen Lehrer in Deutschland: www.zapchen.de