(Damit Sie sich einen Aufenthalt bei uns besser vorstellen können, haben wir einen Tagesablauf aus der Sicht unseres fiktiven Gastes Desirée Schmid für Sie in Worte gefasst. Da es unsere Besonderheit ist, dass Sie den Tag frei gestalten können, sehen Sie dieses bitte nur als ein Beispiel)

Desirée Schmid schreibt:

Die Fahrt hinauf nach Stauf hatte etwas Erhebendes: die Weite der Landschaft begann sich unter mir auszubreiten, während ich mich auf das Dörfchen zu bewegte. Drin rollte mein Auto durch die schmale Gasse wieder ein Stück hinunter bis zur Toreinfahrt „Burghof Stauf“.  Hier bin ich buchstäblich „am Ende der Welt“.

Die Retreathausleiterin Susanne Messerschmidt empfängt mich in großer Herzlichkeit mit einem Pfälzer Traubensaft. Mein Zimmer ist hell mit Ausblick auf die Hochbeete, die gerade von der benachbarten Wohngemeinschaft angelegt werden.  Darüber blicke ich nach Südwesten von oben in ein Tal mit Obstbäumen und Schafen, in der Ferne waldige Hügel.  Mein Bett – so erklärt mir Susanne – „schwebt“ aus einem Baumstamm heraus. Die Kästen an der Wand kann ich für meine Wäsche oder Bücher nutzen oder auch abnehmen und als Hocker verwenden.  Äußerst schlicht, dabei pfiffig und fröhlich ist mein Zimmer.

Ich mache einen kleinen Spaziergang zum Burgberg, fühle die warme Abendsonne auf der Haut. Meine Müdigkeit ist wie verflogen, als ich auf dem Amphitheater oben ankomme und sich nochmals überraschend die Landschaft unter mir ausbreitet, ein bißchen Aufregung kribbelt hoch: was für ein Ort ist das? Was erwartet mich hier? Ich lasse mich ins Gras nieder und schaue der sinkenden Sonne zu. Die Schafe blöcken und laufen ganz zielgerichtet irgendwo hin.

Um 19 Uhr wartet ein kleines köstliches Abendessen auf mich – vegan und bio, wie ich es mir gewünscht hatte. Danach stöbere ich ein bißchen in der Bibliothek herum und bin hin und hergerissen, ob ich was über die Pfalz lesen möchte, über Homöopathie oder eher ein spirituell ausgerichtetes Buch. Am Ende lese ich gar nichts davon, sondern lasse mir von zwei anderen Retreatgästen erzählen, was sie hierher geführt hat.

Die Nacht ist vollkommen ruhig und bequem – kein Autolärm, nicht einmal von Ferne. Weisungsgemäß habe ich mein handy nicht zum Aufladen in die Steckdose gesteckt, damit ich in der Genuss der Netzfreischaltung komme.

 

Um 7 Uhr gehe ich zum Morgenmeditation, die Marion von Gienanth anleitet. Sie hat das Retreathaus nach Jahrzehnte langer Erfahrung mit Meditation in Japan und westlich-tibetischer Körperarbeit hier gegründet.  Sie möchte damit Menschen eine Auszeit ermöglichen, die es so woanders noch nicht gibt. Es geht – wie sie sagt – in Stauf nicht um Therapie, sondern darum sich zuerst zum Wohlsein hin zu bewegen und dann über Atmung, Bewegung, Stimme, Visualisation erstaunliche Erfahrungen zu machen, wie leicht und nachhaltig das auch bleiben kann, wenn wir wissen wie.

 

Ich bin gespannt. Wir beginnen wir mit Gähnen, Strecken, Schütteln, Stampfen. Das ist Kindern abgeguckt. Deren Körper wissen noch, wie sie sich spontan ins Wohlsein begeben können: einfach ausprobieren und reinspüren wie es wirkt. Es tut tatsächlich gut, wieder einmal nach Herzenslust zu gähnen und sich zu strecken. „Kostenlos produzieren wir so Glückshormone“, erläutert sie.

Die zweite Viertelstunde ist der Meditation gewidmet. In Stille an diesem Ort ankommen und die Aufmerksamkeit auf den Atem lenken. Allein der Raum, aus dem man bis zur anderen Seite der Rheinebene blicken kann, läßt einen Weite und Schönheit tanken, aber ich richte nun meinen Blick nach innen und lass aufkommende Gedanken weiterziehen – auf dem Weg zu mir, auf dem Weg in die Stille.

 

Das anschließende Frühstück ist eine Augenweide – für jeden von uns etwas dabei.

 

Um 10:30 Uhr ist meine Einzelsitzung mit Marion. Aufgrund der extremen beruflichen Anforderungen stehe ich kurz vor dem Burnout. Alles, was sie anleitet und mit mir ausprobiert, kann ich mühelos mitmachen. Sie hilft mir ins „alignment„ zu kommen, d.h. mich mehr aufzurichten, das Brustbein mehr nach vorne kommen zu lassen, die Schultern in die Weite, den Hals hinten lang, die Sitzknochen etwas aufeinander zu gehend – und schon merke ich, dass ich mein Becken spüre, bzw. dass es vorher wie „weg“ war! „Aus dem Becken steigt die Kraft auf. Wenn das Brustbein nach vorne kommt, stärken wir unser Selbstbewusstsein“. Die Arbeit mit ihr ist humorvoll und spielerisch.  Wir bringen nun auch die Wirbelsäule ins Bewusstsein, um mehr „Rückgrat zu haben“. Da wo ich mich besonders zusammengezogen habe, summt sie über ihre leicht aufliegende Hand ins Gewebe, um die „innewohnende Pulsation“ wieder zu aktivieren. Ich fühle neue Kräfte in mir aufsteigen.

Nach einigen Übungen lege ich mich immer wieder zum Nickerchen hin, gemütlich eingewickelt in eine Decke. „So kann der Körper am leichtesten lernen“, meint Marion,

„Wir gehen im Zapchen davon aus, dass der Körper Bewussheit ist und dass die Subsysteme des Körpers auch unmittelbar ansprechbar sind“. Sie probiert es bei mir an einer Blinddarmwunde aus meiner Kindheit, die mitgewachsen ist, die mich immer behindert hat, weil ich mich „schief“ fühlte, als ob ich eine „blinde“ Stelle hätte. In nur wenigen Minuten kommt wieder Leben rein, was ich kaum glauben kann. Der Körper kennt offenbar keine Zeit! Als ich aufstehe, bin ich „gerade“! Na, ob das so bleibt?

Über Mittag wandere ich mit einem Picknick zum Kloster Rosenthal und verweile dann lange in dem zum Himmel offenen Kirchenschiff und schaue den kleinen Wölkchen zu, wie sie darüber hinwegfliegen. Rosenduft erfüllt die Luft. Ich schließe die Augen und spiele mit der Silbe „Ah“, der Ton der Öffnung, wie ich es heute morgen lernte. Ich probiere es in verschiedenen Höhenlagen aus aaaaah... aaaaah. Da ist niemand anderes an diesem verwunschenen Ort, so dass ich mich erlaube mit voller Stimme zu tönen. Ein paar Vögel antworten mir. Später, auf die Bank ausgestreckt, stellt sich unverhofft ein weiteres Nickerchen ein.

Oh, meine Massage darf ich nicht vergessen! Wieder folge ich der Jakobsmuschel, die Stauf und Rosenthal miteinander verbindet.

In dem Esszimmer, in das die Küche integriert ist,  kann man sich Bio-Tees aufbrühen, aber ich habe mehr Lust, mir einen Cappucino zu ziehen.

Die Treppe hinunter, Gerlinde ist schon da und empfängt mich mit Quellwasser. Aus dem Raum blickt man bis zum Odenwald. Ich merke schon jetzt, wie die Weite mich weitet! Darum geht es offenbar bei Zapchen: zu spüren, wo wir uns zusammenziehen und sich dann wie von innen her auszudehnen. Ethymologisch kommt das Wort Stress von lat. „stingere“ zusammenziehen, anspannen.

Gerlinde beginnt an meinen Füßen. Ich merke gleich, dass sie nicht einfach massiert! Es ist als legten sich meine Füße in ihre Hände: „Mehr mehr!“ Eine Stunde lang darf ich mich ihr anvertrauen. Als ich dann in dem lichten Raum nachspüre, ist es, als ob die liebevollen geschickten Hände immer noch da seien. Ich bin – wenn man da so sagen kann – nicht nur am Körper berührt. Ich kann mich in diese Geborgenheit sinken  und meinen Alltag hinter mir lassen. Es steigt Dankbarkeit in mir auf...

Zum Abendessen hat Irina uns in ihrer mütterlichen Art einen Eintopf bereitet aus frischem Biogemüse – viel zu viel!  Mit Clara geniesse ich davon mehr als ich gedacht hätte, während Peter sein Fastensüppchen löffelt und ab heute schweigen möchte.  Es reist eine Seminargruppe an. Ich bin froh, dass wir in einem extra Trakt wohnen und uns mit dem Essen in den hübschen Aufenthaltsraum zurückziehen können. Was für ein Segen, dass es diesen ungewöhnliche Art der Auszeit gibt, in der ich stündlich mehr ins „Wohl-Sein“ gleite, „Embodying Well-Being“. Wie es wohl weitergehen wird?